Lied: „Rasenmäherortsvorsteher“ in zwei Versionen

Ein Song über die Leiden eines Urlaubers auf dem Land und den Auftrag eines zur Ordnungshaltung berufenen Gartenadjutanten in zwei stilistisch verschiedenen Versionen und Texten, die, im Anschluss an die Kurzerklärung zum Lied, zum besseren Verständnis, für den neugierigen Hörer und Leser abgebildet sind.

Rasenmäherortsvorsteher habe ich im Herbst 2021 geschrieben, als abschließende Verarbeitung meiner tiefgehenden, abscheulichen Erfahrungen des vergangenen Sommerurlaubs an der Mecklenburger Seenplatte. Bis zum heutigen Tage finden sich diese Erfahrungen im täglichen Leben widergespiegelt. Wenn das Laub gefallen ist und hinfort geblasen werden muss. Wenn die Hecke geschoren wird. Wenn Bäume bis zur Unkenntlichkeit, oftmals sogar bis zur Wurzel herunter gehäckselt werden.

Da ich aber immer bemüht bin, mir das Leben nicht zu leicht zu machen und beide Seiten einer Angelegenheit zu betrachten, kam ich während der Aufnahmen nicht umhin, die Idee zu entwickeln, eine zweite Version zu schreiben und aufzunehmen, welche die andere Seite beleuchtet. Deshalb finden sich hier zwei verschiedene Arrangements dieses Liedes mit zwei verschiedenen Texten.

Nun ist es mir gelungen, beide Versionen als Demoversion fertigzustellen.

Die nachfolgend abgebildeten Texte dienen all denen, welchen das verstehende Hören schwerfällt, wie beispielsweise mir, oder nur glauben, was sie Unglaubliches und Unerhörtes gehört haben, wenn sie es schwarz auf weiß lesen können.

Die erste (originale Version) ist die Naherholer-Version. Die zweite, aktuell geschriebene Version, stellt die Perspektive des Ortsvorstehers dar. Die Naherholer-Version, eine eher technoid-akustisch-folkloristische Version, zeichnet die Erfahrungen und Sicht eines Naherholers oder Urlaubers, während die Ortsvorsteher-Version, sich eher einer Populärmusikstilistik bedienend, die Perspektive des „achtsamen“ heimischen Gartenadjutanten beschreibt.

Viel Spaß beim Hören.

Rasenmäherortsvorsteher (Naherholer-Version)

Du fährst mal schön aufs Land
Um Ruhe zu verstehn
Denn da gibt’s keine Menschen
Die auf die Nerven gehen
Du bist bei dir und atmest ein

Du lauschst dem Spiel des Windes
Die Bäume zu beseelen
Der Freude deines Kindes
Die Töne zu verfehlen
Doch dann ist plötzlich alles vorbei

Hier kommt der Rasenmäherortsvorsteher mit dem Zweitaktmotorklingenrotor
Fertig kann man nie und nimmer sein
Das elendige Grünzeug geht nicht ein
Ohne ihn da stünden wir allein da

Die Heckenschere und sein Traktorlein
Und sein Laubbläser sie spucken Ruß
Er kann es nicht mal benennen
Sein Motor muss was verbrennen
Koste es was es muss

Du freust Dich an der Stille
die dich nur so umspielt
der Luft im reinsten Sinne
Du hast die Höchstpunktzahl erzielt
Du weidest Dich in Deinem Glück

Du willst nie mehr hier weg
Du kriegst Dich kaum mehr ein
Dies ist der schönste Fleck
Um ganz bei sich zu sein
Doch dann nimmst du alles zurück

Hier kommt der Rasenmäherortsvorsteher mit dem Zweitaktmotorklingenrotor
Fertig kann man nie und nimmer sein
Das elendige Grünzeug geht nicht ein
Ohne ihn da stünden wir allein da

Der Gartenhächsler ist nun auch getunt
Und seine Kettensäge springt gleich an
Ein Motor in seiner Hand
Hauptsache wird was verbrannt
Denn sonst wäre er doch kein Mann

Hier kommt der Rasenmäherortsvorsteher mit dem Zweitaktmotorklingenrotor
Fertig kann man nie und nimmer sein
Das elendige Grünzeug geht nicht ein
Ohne ihn da stünden wir allein da

Rasenmäherortsvorsteher (Ortsvorsteher-Version)

Ich wohne auf dem Land
Und habe meine Ruh
Natürlich muss gemäht sein
Das gehört doch mit dazu
Respekt ernt‘ ich von überall

Ich achte sehr penibel
Auf Kante und auf Schnitt
Ich bin da auch sensibel
Und denk für andre mit
Denn Ordnung gilt auch nebenan

Hier kommt der Rasenmäherortsvorsteher mit dem Zweitaktmotorklingenrotor
Fertig kann man nie und nimmer sein
Das elendige Grünzeug geht nicht ein
Ohne mich stündet Ihr allein da
Die Heckenschere und das Traktorlein

Und mein Laubbläser wir sind zu viert
Und wenn die Nachbarn auch flennen
Ein Motor muss was verbrennen
Damit das mit dem Grün was wird

Am Montag zupf ich Unkraut
Am Dienstag säh ich Gras
Am Mittwoch leg ich Kanten
Donnerstag geb ich Gas
Da sind Hecken und Sträucher dran

Denn am Freitag mäh ich Rasen
Am Samstag brüllt das Rohr
Mit Säge und Laubblasen
Geht’s gegen’s Grünzeug vor
Und ich fahr‘ das Dorf mi’m Minitrecker ab

Hier kommt der Rasenmäherortsvorsteher mit dem Zweitaktmotorklingenrotor
Fertig kann man nie und nimmer sein
Das elendige Grünzeug geht nicht ein
Ohne mich stündet Ihr allein da

Der Gartenhäcksler ist nun auch getunt
Und meine Kettensäge springt gleich an
Ein Motor in meiner Hand
‚Schafft Ordnung hier auf dem Land
Ich mach’s für mich und jedermann

Hier kommt der Rasenmäherortsvorsteher mit dem Zweitaktmotorklingenrotor
Fertig kann man nie und nimmer sein
Das elendige Grünzeug geht nicht ein
Ohne mich stündet Ihr allein da

Text und Musik: Ralf Hatoum
Foto von Vietnam Photographer: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-sitzung-sitzen-rasen-11937296/